Was macht einen Naturpark zum Nationalpark? Diese Frage beantwortete sich den vierzehn Teilnehmern im Verlauf der geführten Wanderung fast von selbst.

Günther Oltsch, aktives Mitglied des Freundeskreis Nationalpark Steigerwald, sowie des Bund Naturschutz in Bayern, berichtete einleitend am Parkplatz des Steigerwaldzentrum in Handthal den 13 Teilnehmern des Haßbergvereins von der Entwicklung des Ur-Waldes in Deutschland zur modernen Waldwirtschaft. Von der Waldrodung, um Lebensraum zu schaffen zur wirtschaftlichen Nutzung, Holzernte genannt.

Nach seiner Einleitung führte er die Gruppe in die Waldabteilung Hoher Buchener Wald im Ebracher Forst, die im Jahr 2014 der scheidende Landrat von Bamberg, Günther Denzler in Schutz gestellt hat und deren Schutz mittlerweile von politischer Seite wieder aufgehoben wurde. In diesem Gebiet hat Günther Oltsch in einem drei Jahre dauernden Projekt sämtliche dicken Altbäume mit einem Brusthöhendurchmesser (BHD) ab 60 cm vermessen und kartiert. Über 7.600 dieser Bäume auf einer Fläche von 775 Hektar hat er auf diese Weise digital lagegenau erfasst und damit die Schutznotwendigkeit dieses Waldgebietes belegt.

Im Verlauf seiner dreistündigen abwechslungsreichen, interessanten und kurzweiligen Führung berichtete Günther Oltsch über die Zusammenhänge von Tieren und Pflanzen in der Natur, speziell im Wald. So erzählte er vom Specht, und seiner speziellen Technik, sich Bruthöhlen zu meißeln, vom Eremit, auch Juchtenkäfer genannt, der in alten Spechthöhlen lebt, vom Feuersalamander, der liegendes Todholz bevorzugt, oder vom Zunderschwamm, der vor allem ältere Bäume befällt und der in der Steinzeit zum Feuermachen verwendet wurde. Er weckte damit bei den Teilnehmern das Verständnis für die Notwendigkeit eines umfassenden Schutzes für dieses Gebiet. Ein Schutz allein durch den Naturpark reicht nicht aus, weil dieser auf der Idee Schutz durch Nutzung beruht. Ein Nationalpark setzt auf die Erhaltung großer, nicht durch menschliche Eingriffe veränderter Naturgebiete für die Nachwelt.

Bei der abschließenden, gemeinsamen Einkehr im Cafe’ Lust in Handthal wurden im Gespräch diese Themen vertieft, bevor bei bereits einsetzender Dämmerung die Heimreise angetreten wurde.

Bleibt zu hoffen, dass über die Zeit die Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern eines Nationalpark Steigerwald zugeschüttet werden und dieses Gebiet den verdienten Schutz erfährt, damit sich unsere Kinder und Enkelkinder noch am Leben im und mit dem Wald erfreuen können.

Manfred Keß