Wenn man als Kenner alter Schießanlagen das Schützenhaus in Unfinden beim dortigen Schützenverein mit seinen acht Schießständen betritt, reibt man sich im ersten Augenblick die Augen. Denn dort hat sich Vieles verändert. Dort müssen nicht mehr Seile gespannt werden, um die Schießkarten zu bewegen, dort hat die Digitalisierung Einzug gehalten. An jedem der acht Schießstände steht ein Bildschirm, auf dem jeder Schütze das Ergebnis seines Schusses sehen kann. Draußen, in zehn Meter Entfernung leuchtet eine Schießscheibe in verschieden möglichen Farben und verschieden groß einstellbaren Scheibengrößen, je nachdem ob mit einem Luftgewehr oder einer Luftpistole geschossen wird. Natürlich spielen auch bei den Treffern die Farben eine Rolle. „Rot“ auf dem Bildschirm bedeutet, das war eine Zehn, „Gelb“ steht für die Neun, „Grün“ für alle Treffer darunter. Doch nicht nur an die Schützen wurde bei dieser neuen Schießanlage gedacht, sondern auch an Zuschauer. Denn auf einer großen Leinwand können die Schießergebnisse sofort mitverfolgt werden. Der Zuschauer bekommt damit direkt mit, wie es bei einem Schießwettkampf steht und muss nicht mehr warten bis die einzelnen Karten ausgewertet sind. So kann auch beim Schießen Spannung aufkommen, was in der alten Form der Wettkämpfe oft nicht möglich war.

Etliche tausend Euro hat sich der Schützenverein Unfinden diese neue Anlage kosten lassen, wie 1. Schützenmeister Daniel Gießl verkündete, der am Sonntagnachmittag stolz und ausführlich die Anlage offiziell vorstellte. Das allein sei es aber nicht gewesen, was die neue Schießstätte möglich machte, dazu kamen noch ein paar hundert freiwillige Arbeitsstunden. „Ohne euch hätte das nicht funktioniert!“, meinte er hinsichtlich der großen Mithilfe der Mitglieder des Vereins.

Beeindruckt zeigte sich auch Stadtrat Thomas Hendrich, der in Vertretung von Bürgermeister Claus Bittenbrünn ein kurzes Grußwort sprach und die Anlage als einen Quantensprung und gleichsam als ein Leuchtturmprojekt im Schießsport bezeichnete.

Dass die neue Anlage dann auch ihre Feuertaufe ausgezeichnet bestand, zeigte sich in dem an die offizielle Übergabe anschließenden Wettkampf. Dabei traten in den Disziplinen Luftpistole und Luftgewehr jeweils die acht besten Schützen des Vereins im Finalschießen um die Vereinsmeisterschaft gegeneinander an, aufmerksam direkt verfolgbar auf der Großleinwand von den zahlreichen Zuschauern. Sieger und Gewinner der Vereinsmeisterpokale wurde mit der Luftpistole Tobias Piechaczek und mit dem Luftgewehr Mirko Streng.

Bericht über das Finalschießen von Norbert Streng:

Zum Pistolenfinale traten Tobias Piechaczek (1., 231,2 Ringe), Günter Streng (2., 212,0 Ringe) , Anton Sauter (3.), Dieter Piechaczek (4.), Udo Sturm (5.), Kornelia Loske (6.), Doreen Streng (7.) und Johannes Mücke an. Leider gab die Pistole von Johannes nach dem Probeschießen ihren Geist auf, so dass dieser zu erst ausscheiden musste. Es wurde ja nach dem Ausscheidungsverfahren geschossen.

Nach den ersten 2 x 5 Schuss wurde es ernst: Alle 2 Schuss musste der jeweils letzte vom Stand gehen. So blieben zum Schluss nur noch Tobias und Günter übrig. Da Tobias ein routinierter Bundesligaschütze ist ließ er von Beginn an nichts anbrennen und vergrößerte seinen Vorsprung immer mehr. Interessanter war es dann zwischen dem 3. Anton Sauter und dem 2. Günter Streng.

Im Gewehrfinale war es dann weitaus spannender. Vorstand Daniel Gießl ging durch die erste 5er-Serie mit 51,0 gegenüber Mirko Streng mit 48,2 Ringen als „Favorit“ ins Rennen. Der Vorsprung gehalten, dann aber immer knapper. Nach dem 22. Schuss lag dann Mirko mit 0,1 Ring vorne. Daniel schoss dann eine 9,4 und Mirko eine 9.5. Jetzt hatte Mirko 0,2 Ringe Vorsprung. Alles kam auf den letzten Schuss an, die Nerven lagen nicht nur bei den beiden Schützen blank. Daniel traf dann eine 8,8 und Mirko eine 8,7. Somit war das Finale für Mirko mit 0,1 Ring Vorsprung gewonnen. 235,7 zu 235,6 Ringe! Knapper hätte es nicht ausgehen können!

Weiterhin haben geschossen: Björn Streng (3.) Peter Kettler (4.), Udo Sturm (5.), Martin Gschwender (6.), Erik Kettler(7.) und Leo Bergmann.

Leo konnte erst kürzlich seinen 13 Geburtstag feiern und hat sich seinen Einzug ins Finale durch ein sehr gutes Ergebnis von 355 Ringen bei der Vereinsmeisterschaft mehr als verdient.

gs
Fotos: gs, Norbert Streng, Mirko Streng